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Pastor Martin Haasler feierte mit Papst Benedikt einen symbolträchtigen Gottesdienst in Erfurt
„Ein ökumenischer Durchbruch klingt anders“

Pastor Martin Haasler, Referent für Theologie und Nachhaltigkeit im Nordelbischen Missionszentrum, ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Schleswig-Holstein. In dieser Funktion war er zu dem Gottesdienst in Erfurt eingeladen worden.
Mein Sitzplatz in der Erfurter Augustinerkirche ist noch warm. Die herbstliche Sonne lacht am Himmel und taucht die Szene in ein mildes Licht. Immer noch strömen Menschen aus der weltberühmten Kirche: Martin Luther wurde hier zum Priester geweiht. Vor der Kirche ist eine Bühne aufgebaut - für das Gruppenfoto mit Papst.
Im Gottesdienst ist dem Papst der Name des Reformators nicht über die Lippen gekommen. Eigentlich erstaunlich, denke ich und erhasche einen Blick auf den Papst auf der Fotobühne. Ich habe seinen Aufruf zur Dankbarkeit für das zwischen Christen der verschiedenen Konfessionen möglich Gewordene gehört. Ein ökumenischer Durchbruch klingt anders. Aber den hatte ich in Erfurt am allerwenigsten erwartet.
Dass der Papst ausgerechnet in der Augustinerkirche, der Wiege der Reformation“, gemeinsam mit dem EKD-Ratsvorsitzenden einen ökumenischen Gottesdienst leiten würde - das hatte mich nach Erfurt gezogen. Was für ein symbolträchtiges Geschehen! Dass dieser Gottesdienst überhaupt stattfinden konnte, berührt mich. Noch vor 50 Jahren wäre dieses Ereignis wohl undenkbar gewesen.

1948 wurde der Ökumenische Rat der Kirchen gegründet und in Deutschland die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen. Damit begann die institutionalisierte Zusammenarbeit von orthodoxen, katholischen und reformatorischen Kirchen. Die Ökumenische Bewegung hat viel verändert im Leben unserer Kirchen. Sie hat unsere christliche Gemeinschaft über konfessionelle Grenzen hinweg spürbar gestärkt. Der Wunsch nach einem gemeinsamen christlichen Zeugnis ist deutlich gewachsen. Das zeigt sich in der wachsenden Zahl ökumenischer Gottesdienste und Vorhaben. Die lokale Zusammenarbeit zwischen den Kirchen ist in Deutschland zurzeit die treibende Kraft der Ökumene.
Fast in jeder größeren Stadt gibt es ökumenische Arbeitsgemeinschaften, in denen das Verbindende zwischen den Kirchen sehr viel wirksamer ist als das Trennende. Wo Menschen die alltäglichen Probleme mit dem Kirchentrennenden teilen, formt sich die ökumenische Gemeinschaft schon sehr viel mutiger und facettenreicher aus, als dies derzeit auf Weltebene geschieht.
Ob der Papst die örtliche Ökumene im Sinn hatte, als er zur Dankbarkeit aufrief? Meine Gedanken kehren zurück zur gerade gehörten Ansprache über das Hohepriesterliche Gebet Jesu (Joh. 17). Von den Glaubenszeugen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und ihre Bedeutung für die Ökumene hat der Papst gesprochen. Das gemeinsame Zeugnis, das das eigene Leben nicht schont. Wie ist dieser Gedanke mit Blick auf die ökumenische Landschaft in Deutschland zu verstehen?
Durch die Menschenmenge bahnt sich auf Gehhilfen gestützt Kardinal Lehmann den Weg zu wartenden Journalisten. Allmählich lichten sich die Reihen. Der Papst ist mir aus dem Blick geraten. Bundespräsident und Bundeskanzlerin sind schon lange verschwunden. Das ökumenische Großereignis ist vorbei. Zeit zu gehen. Der Alltag ruft. Die Ökumene muss weitergehen. Viel weiter, denke ich.“
( 26. September 2011 )



